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Was ist das Usenet?

Das Usenet ist das dezentrale Netzwerk aus News-Servern und den Usern. Es ist das älteste, noch existierende Netzwerk zum Austausch von Nachrichten und Dateien.

 

Es entstand 1979. 3 Studenten an der Universität von North Carolina und der Duke University verbanden die Computer ihrer Universitäten über die Telefonleitung mithilfe des UUCP (Unix To Unix Copy Protocol). Aus diesen primitiven Anfängen entstand innerhalb weniger Jahre das Usenet. Der Name Usenet wurde während einer Usenix Konferenz aus der Taufe gehoben, weil es sich ursprünglich um ein Netzwerk von Unix Rechnern handelte. Das blieb so, bis der Vorläufer des Internets, das Arpanet, für die breitere Öffentlichkeit freigegeben und zum Internet wurde.

 

Durch die Umstellung des Usenet auf das TCP/IP des Internets konnten erstmals auch Computer mit anderen Betriebssystemen am Usenet teilnehmen. Dazu wurde für das Usenet ein neues Protokoll geschaffen, das NNTP. Das ursprüngliche UUCP wurde jedoch nicht abgeschafft, sondern besteht parallel weiter, so dass das Usenet prinzipiell nach wie vor unabhängig vom Internet arbeiten könnte. Somit ist es immer noch, obwohl durch das NNTP zu einem Teilbereich des Internets geworden, ein eigenständiges Netzwerk und nicht lediglich ein Protokoll des Internets.

Wie funktioniert das Usenet?

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Das Usenet als dezentrales Netzwerk funktioniert, weil News-Server ebenfalls dezentral miteinander verbunden sind und neu in das Usenet hochgeladene Beiträge und Binärdateien automatisch an ihre Peering-Partner verteilen. Obwohl auch die Peeringabkommen dezentral ausgehandelt werden, ist jeder News-Server mit dem gesamten Netzwerk Usenet verbunden. Denn mindestens einen Peering Partner hat jeder News-Server. Dieser Peering Partner ist wiederum mit anderen Newsservern durch Peeringabkommen verbunden, so dass schließlich alle News-Server dezentral miteinander verbunden sind.

 

Diese Peeringabkommen führen zu oft komplizierten Wegen vom ursprünglichen News-Server, über den etwas in das Usenet hoch geladen wurde zu dem News-Server, von dem es der User herunter lädt. Manchmal sind mehr als zehn News-Server dazwischen geschaltet, weil es zwischen dem ursprünglichen News-Server und dem News-Server, von dem der User die Datei anfordert, keine direkten Peeringabkommen gibt. Auf jedem dieser News-Server, die dazwischen geschaltet sind, werden die vom ursprünglichen Server kommenden Textnachrichten und Binärdateien zum Abruf durch die eigenen Kunden gespeichert und an die Peering Partner weitergegeben.

 

Das Usenet selbst ist nur das dezentrale Netzwerk zur Verteilung der Beiträge an die teilnehmenden News-Server und somit letztendlich an die User in der gesamten Welt. Im Usenet selbst wird nichts gespeichert, das Usenet dient nur der Verteilung neu hochgeladener Postings an die Newsserver.

 

Kein News-Server speichert sämtliche Newsgroups. Der Administrator des News Servers bestimmt bereits durch die Voreinstellungen seines Newsservers, welche von seinen Peering-Partnern angebotenen Newsgroups auf seinen News-Server übernommen werden. Der Administrator bestimmt außerdem, wie lange diese Beiträge gespeichert werden, bevor sie wieder gelöscht werden. In der Regel werden sämtliche, von den Peering Partnern angebotenen Newsgroups automatisch gemäß den Voreinstellungen des Newsservers (Z.B. bei Universitäts-Newsservern keine Newsgroups der alternativen Hierarchie des Usenet) übernommen. Wenn Newsgroups manuell entfernt werden, dann, weil sie im Verdacht stehen, hauptsächlich zur Verbreitung krimineller Inhalte benutzt zu werden.

 

Dadurch unterscheiden sich die News-Server sowohl in der Speicherungsdauer als auch hinsichtlich der geführten Newsgroups. Auf den News-Servern von Universitäten, soweit sie sich nicht ohnehin schon aus dem Usenet zurückgezogen haben, werden beispielsweise grundsätzlich keine Binärdateien gespeichert und die gesamte, für Binärdateien vorgesehene Hierarchie des Usenet alt.binaries ausgeklammert.

 

Umgekehrt ist es gerade diese Hierarchie, die das Usenet nicht nur am Leben erhält, sondern nach einem Niedergang Ende der Neunzigerjahre dem Usenet zu einer Renaissance verholfen hat.

Das Usenet ist unangreifbar

Im Gegensatz zu einem Webserver, der vom Netz genommen werden kann und somit auch alles, was auf diesen Webserver gespeichert war, nicht mehr zugänglich ist, ist das Usenet durch seine dezentrale Struktur absolut unangreifbar. Die dezentrale Struktur führt dazu, dass niemand weiß, wie viele News-Server aktuell am Usenet teilnehmen, wie viele User das Usenet hat und wie viele Newsgroups es insgesamt gibt.

 

Selbst wenn nicht nur ein einzelner News-Server, sondern durch Beschluss eines Staates sämtliche in seinem Staatsgebiet stehenden News-Server vom Netz genommen würden, würde das Usenet weiter existieren. Denn auf allen anderen Newsservern wären die Beiträge weiterhin gespeichert und abrufbar.

Somit spielt es auch keine Rolle, ob der News-Server, über den ursprünglich ein neues Posting im Usenet verteilt wurde, überhaupt noch am Netz ist.

Ist das Usenet ein rechtsfreier Raum?

Trotzdem ist das Usenet kein chaotisches, rechtloses Netzwerk. Denn bereits in der Anfangszeit des Usenet, als es von seiner ursprünglichen zentralen Struktur, die am ehesten noch einem Forum im 25 Jahre später entstandenen Web vergleichbar gewesen wäre, in seine heutige, dezentrale Struktur umstrukturiert wurde, wurde ein Instrument geschaffen, um Rechtsverletzungen aus dem Usenet entfernen zu können.

 

Von diesem Instrument macht insbesondere die amerikanische Film- und Musikindustrie regen Gebrauch, um Urheberrechtsverletzungen zulasten aktueller Titel aus dem Usenet wieder entfernen zu lassen.

Der Unterschied zum Word Wide Web

Webforen, die mit dazu beigetragen haben, dass das ursprüngliche, wissenschaftlich technische Usenet seit Ende der Neunzigerjahre einen Niedergang erlebt, sind prinzipiell dem Usenet nachempfunden.

 

Eine Subhierarchie des Usenet entspricht einem Forum, das sich ebenso wie eine Subhierarchie einem bestimmten Thema widmet, also beispielsweise der Fotografie oder auch dem Usenet, innerhalb des Forums werden wiederum einzelne Haupt- und Untergruppen vom Administrator angelegt, das entspricht den Newsgroups innerhalb der Subhierarchie und innerhalb der Newsgroup können User wie in einem Forum neue Threads eröffnen.

 

Der Unterschied ist allerdings gewaltig. Denn von den wenigen, moderierten Newsgroups abgesehen, kann jeder, der am Usenet teilnimmt, neue Threads und innerhalb der alternativen Hierarchie des Usenet sogar neue Newsgroups anlegen, die im Gegensatz zu einem Forum nicht moderiert werden. Durch den Namen der Newsgroup kann sie einer bereits bestehenden Subhierachie zugeordnet werden oder eine neue Subhirarchie schaffen.

 

Die klare Struktur des Usenet macht es, trotz weit über 100.000 aktiven Newsgroups prinzipiell möglich, auch ohne spezialisierte Usenet Suchmaschinen zu finden, wonach man gerade sucht. Prinzipiell deshalb, weil die besonders großen Newsgroups mit weit über einer Million Postings sinnvollerweise doch besser mit spezialisierten Usenet Suchmaschinen durchsucht werden.

 

Bei Usenet Suchmaschinen geht es nicht um Relevanz, sondern nur darum, ob der Suchbegriff in der Betreffzeile eines Postings enthalten ist. Die Reihenfolge, in der die Suchergebnisse angezeigt werden, kann der User bei einigen Usenet Suchmaschinen selbst bestimmen, die übliche Reihenfolge ist, die jüngsten Postings zuerst. Im Gegensatz zu Suchmaschinen für das Web werden alle Postings gleichwertig behandelt.

 

Die beiden wichtigsten Unterschiede zwischen dem Usenet und dem World Wide Web sind einerseits die innere Struktur des Usenet mit seinen Hierarchien, Subhierarchien und Themen-Newsgroups und andererseits der vollständig dezentrale Aufbau des Usenet, der es unangreifbar macht.

 

Ein weiterer Unterschied ist, dass in jeder Newsgroup Diskussionen stattfinden und News ausgetauscht werden. Auch in den eigens für Binärdateien geschaffenen Newsgroups der alt.binaries Hierarchie. Auf einer Webseite nur dann einen Kommentar hinterlassen kann, wenn die Webseite dafür eingerichtet wurde. Da, von den wenigen moderierten Newsgroups abgesehen, Beiträge, es sei denn, es handelt sich um Rechtsverletzungen, nicht gelöscht werden, bleiben im Gegensatz zu einem Forum, Blog etc. auch bbeiträge mit negativer Kritik stehen. Somit ist das Usenet insgesamt deutlich demokratischer als eine beliebige Webseite oder ein Forum, das dem Usenet prinzipiell nachempfunden wurde.

Die Struktur des Usenet

Schon frühzeitig, Anfang der Achtzigerjahre, entstand nach und nach die heutige Struktur des Usenet. Das Usenet wird unterteilt in insgesamt neun Haupthierarchien und viele Subhierarchien. Innerhalb der Haupt- und Subhierarchien gibt es die Newsgroups.

Hierarchien und Newsgroups

9 Hierarchien und eine unbekannte Zahl an Newsgroups bilden das ordnende Gerüst des Usenet.

 

alt

Die alternative Hierarchie (seit 1989)

comp

Themen rund um den Computer

sci

Wissenschaft und Technik (science)

soc

Gesellschaftlichen Themen (social)

talk

Allgemeine Gespräche über Dies und Das

rec

Alle Themen rund um Freizeit und Erholung, zum Teil auch Kunst und Kultur (recreational)

news

In dieser Hierarchie ist das Usenet selbst Gesprächsthema

misc

Alles, was nicht in einer der oben genannten Newsgroups Thema ist (miscellaneous)

humanities

Geisteswissenschaften, Kulturelles (seit 1995)

 

 

die Big Seven

 

die Big Eight

 

das nichtwissenschaftliche Usenet

 

 

Das klassische Usenet, die Text Newsgroups

Das klassische Usenet war, bevor das World Wide Web in seiner heutigen Form zwischen 1993 und 1995 entstand, die Plattform für den Austausch von Wissenschaftlern und Technikern schlechthin. Denn selbst die Diskussionen, die schließlich zum World Wide Web führten, wurden im Usenet geführt. Obwohl es das Web inzwischen gab, wurden die Diskussionen um die Einführung eines Grafik fähigen Webs (IMG-TAG) zwei Jahre später im Usenet geführt. Denn auch das World Wide Web diente zunächst nur dem Austausch von Texten, zur gleichen Zeit wurde das Usenet bereits zur Verbreitung von Binärdateien genutzt.

 

In den Jahren zwischen 1979 und den späten neunziger Jahren war das Usenet für Techniker und Naturwissenschaftler unverzichtbar. Doch je populärer das World Wide Web wurde, umso mehr ging das Interesse am Text Usenet zurück.

 

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Text-Usenet mittlerweile tot wäre. Es bedeutet nur, dass es nicht mehr so aktiv ist wie vor 1997, als zunächst einmal ein Niedergang des Usenet zu beobachten war.

 

Es ist immer noch so, dass man in einer thematisch passenden Newsgroup sehr viel schneller und kompetenter Hilfe beispielsweise in Computer Fragen erhalten kann, als in einem der vielen Webforen, die sich ebenfalls dieser Thematik widmen.

 

Weitere Informationen zum Text-Usenet

Informationen zu Geschichte, sowie Hintergrund-Informationen zum Usenet

Die binären Newsgroups, die Binary-Newsgroups

Als eigene Subhierarchie innerhalbh der alternativen Hirarchie entstanden die Binary-Newsgroups erst, als immer mehr Binärdateien über das Usenet verbreitet wurden. Inzwischen sind sie der aktivste Bereich des Usenet.

 

Jeder User, der am Usenet teilnimmt und dessen Usenet Provider den Upload von Dateien zulässt, kann über das Usenet Binärdateien an die News-Server verteilen. Dafür gibt es keine Beschränkungen, weder in der Größe noch der Thematik. Das hat natürlich zur Folge, dass es im Usenet auch viele unerwünschte Dateien gibt, seien es Spam, Viren und Trojaner, Urheberrechtsverletzungen oder auch eindeutig kriminelle Dateien.

Wird das Usenet überwacht?

Angesichts der ungeheuren Datenmenge, (Aktuell, März 2015 durchschnittlich 16 Terabyte neuer Upload pro Tag) die über die am Usenet teilnehmen News-Server rund um die Uhr über das Netzwerk Usenet verteilt werden, ist eine Echtzeit Überwachung der Uploads praktisch nicht möglich.

 

Trotzdem gibt es inzwischen Firmen, die im Auftrag der Film- und Musikindustrie das Usenet in nahezu Echtzeit nach bestimmten Urheberrechtsverletzungen durchsuchen. Die Suche beschränkt sich zwingend auf aktuelle Titel, die gerade erst in den Kinos angelaufen oder als CD veröffentlicht wurden. Eine globale Suche nach Urheberrechtsverletzungen wäre im Usenet jedoch unmöglich.

 

Da diese Firmen selbst News-Server betreiben, werden neue Postings sehr schnell entdeckt. Umfangreiche Dateien, deren Upload mehrere Stunden braucht, werden oft sogar noch während des Uploads entdeckt. Jedes neue Posting wird automatisch auf das Auftauchen der gesuchten Schlüsselwörter untersucht, entweder in der Betreffzeile oder in einer beigefügten Textdatei. Da es sich dabei natürlich auch um Diskussionsbeiträge oder News handeln könnte, reicht das nicht aus, um die Löschung zu verlangen, stattdessen wird das verdächtige Posting automatisch mit der Originaldatei abgeglichen. Ergibt der Abgleich, dass es sich um eine illegal verbreitete Kopie handelt, erfolgt sofort, ebenfalls automatisch, die Mitteilung an den Ursprungs-News-Server, der sie daraufhin wieder aus dem Usenet entfernt. Das funktioniert sogar Usenet weit, in dem eine speziell autorisierte Nachricht ebenfalls über das Usenet verbreitet wird, die zur automatischen Löschung auf allen Newsservern führt. Eine solche Nachricht kann nur vom Ursprungsserver erfolgen.

 

Selbst Postings, die weder in der Betreffzeile noch in einer beigefügten Textdatei einen Hinweis auf den Inhalt enthalten, werden entdeckt, wenn stattdessen auf das neue Posting in einem NZB-Board hingewiesen wird, denn auch diese Boards werden von diesen Firmen zeitnah automatisiert durchsucht. Noch nicht einmal eine Passwort-Verschlüsselung schützt vor der Entdeckung, wenn das Passwort in den entsprechenden Boards ebenfalls veröffentlicht wurde.

 

Natürlich wird das Usenet auch von Geheimdiensten und Polizeibehörden überwacht. Doch auch diese sind angesichts der ungeheuren Datenflut ziemlich hilflos, wenn der Inhalt nicht ohnehin als nicht verschlüsselte Textdatei offen ist, alternativ aus der Betreffzeile hervorgeht oder in einer verdächtigen Newsgroup unverschlüsselt veröffentlicht wurde. Polizeibehörden und Geheimdienste müssen sich natürlich ebenfalls zwingend auf das Auftauchen von Schlüsselwörtern beschränken. Nur von vorneherein verdächtige Newsgroups werden manuell gesichtet.

 

Die Geheimdienstskandale und trotz eindeutiger vorhandener Daten nicht bereits im Vorfeld erkannten Terroranschläge der letzten Zeit haben längst deutlich gemacht, dass die Geheimdienste und Polizeibehörden in der Datenflut geradezu ersticken und weitere Forderungen, beispielsweise nach der Vorratsdatenspeicherung, nicht etwa zu einer effektiveren Arbeit der Geheimdienste und Polizeibehörden führen würde, sondern im Gegenteil zu einer noch schwerer zu überschaubaren Datenmenge führen würden. Bestenfalls könnte man in den Datenbergen im Nachhinein Hinweise auf verdächtige Personen finden.

 

Das betrifft natürlich nicht nur das Usenet, sondern unsere gesamte elektronische Kommunikation, wozu selbst neuere Autos gehören, die ebenfalls vernetzt sind. Die gesamte elektronische Kommunikation wird überwacht, wenn sie nicht so gut gegen Überwachung gesichert wird, dass sich selbst die NSA daran die Zähne ausbeisst.

Werden Downloads aus dem Usenet überwacht?

Die gute Nachricht: Nein!

 

Soweit überhaupt etwas von einem News-Server protokolliert wird, ist es das von einem User verbrauchte Trafficvolumen. Was jedoch aus irgendeiner Newsgroup heruntergeladen wird, wird von keinem News-Server protokolliert. Ohne gespeicherte Protokolle sind Downloads tatsächlich anonym.

 

Der technische Aufwand, der mit einer Protokollierung verbunden wäre, ist viel zu groß. Darüber hinaus bieten inzwischen die meisten kommerziellen Usenet Provider SSL Verschlüsselung an, so dass noch nicht einmal unterwegs zwischen Usenet Provider und User festgestellt werden könnte, was gerade heruntergeladen wird.

Werden Uploads protokolliert?

Auch hier im Prinzip ein Nein.

 

Ein Upload wird, bevor er an den News-Server weitergegeben wird, um dort gespeichert und an die Peering Partner verteilt zu werden, bei vielen Newsservern zunächst über einen Abuse-Server geleitet.

 

Der Abuse-Server überprüft unter anderem, ob es sich nach voreingestellten Kriterien um Spam handelt. Wird es als Spam erkannt, wird sofort gelöscht. Andernfalls fügt der Abuse Server jedem Segment einen Header mit diversen Verwaltungsangaben hinzu, bevor das Posting an den eigentlichen News-Server weitergereicht und von dort an die Peering Partner verteilt wird.

 

Jedes Segment bekommt einen kompletten Header, der diverse Verwaltungsangaben enthält, unter anderem auch eine eindeutige Nummer. Viele News-Server schreiben zusätzlich einen X-Trace in den Header, der in verschlüsselter Form entweder die Kundennummer oder die IP enthält. Den Schlüssel hat nur der Administrator des Newsservers, über den der Upload erfolgte.

 

Eine Protokollierung der Uploads erfolgt jedoch nicht.

 

Prinzipiell wäre natürlich anhand des X-Trace eine Rückverfolgung möglich. Doch noch nicht einmal die amerikanische Film- und Musikindustrie macht auch nur einen Versuch, einen Upload zurückzuverfolgen. Schließlich ist eine IP oder eine Kundennummer nur dann nützlich, wenn sie sich eindeutig, ohne jeden Zweifel, einer bestimmten Person zuordnen lässt.

 

Für den Upload krimineller Dateien werden ohnehin nur selten reguläre Wege benutzt, sondern vorübergehende Sicherheitslücken ausgenutzt, um anonym etwas über einen News-Server im Usenet verbreiten zu können. Soweit einzelne Personen oder ganze Gruppen aufgeflogen sind, war es fast immer das Ergebnis einer Hausdurchsuchung aus ganz anderen Gründen oder einer Durchsuchung von Laptops und Datenträgern bei einem Grenzübertritt.

 

Es gibt sogar eine Webseite, auf der News-Server die wegen Sicherheitslücken einen anonymen Upload erlauben, aufgelistet werden.

 

Zumindest für Textnachrichten müssen es keinel Sicherheitslücken sein, es gibt einige News-Server, die ohne Anmeldung den Upload von Textnachrichten zu lassen und auf jede Protokollierung oder den X-Trace verzichten.

Für Oppositionelle in Diktaturen ist das oft die einzige Möglichkeit, ohne Angst vor Strafverfolgung Nachrichten zu verbreiten.

Der Zugang zum Usenet

Um am Usenet teilnehmen zu können, braucht man Zugang zu einem News-Server und einen Newsreader.

 

Einige E-Mail-Programme sind gleichzeitig als einfache Newsreader geeignet. Denn das E-Mail Protokoll und das NNTP des Usenet haben viele Gemeinsamkeiten, sie sind auch fast gleichzeitig entstanden.

 

Für die meisten Browser gibt es ebenfalls Usenet Erweiterungen. Doch, um nicht nur gelegentlich, sondern öfters komfortabel am Usenet teilnehmen zu können, empfiehlt sich ein richtiger Newsreader.

 

News-Reader gibt es sowohl für Text-Newsgroups als auch für Binary-Newsgroups. Die Newsreader für Text-Newsgroups bieten eine gute Verwaltung sowohl der eingehenden Nachrichten als auch der Antworten, Newsreader für Binärdateien ermöglichen einen komfortablen Download vom News-Server.

 

Einige Newsreader für Binärdateien können nur über meist kostenlose Usenet Suchmaschinen bedient werden. Andere Newsreader für Binärdateien ermöglichen ebenso wie die Newsreader für Text-Newsgroups die Auswahl der abonnierten Newsgroups und den Download der Header aus diesen Newsgroups, um anhand der Header mit integrierten, komfortablen Suchfunktionen innerhalb einer Newsgroup nach interessanten Downloads zu suchen. Darüber hinaus sind in einigen dieser Newsreader entweder kostenlose oder kostenpflichtige Usenet Suchmaschinen integriert. Alle Newsreader für Binärdateien können von einer Usenet Suchmaschine erstellte NZB-Dateien importieren.

 

Einige Usenet Provider haben eigene Usenet Clients entwickelt, die Anfängern durch viele Assistenten den Einstieg in das Usenet erleichtern.

 

Für den Upload von Binärdateien wurden eigene Freeware-Programme entwickelt. Textnachrichten können über jeden Newsreader, der nicht ausschließlich über integrierte oder externe Usenet Suchmaschinen bedient wird, hochgeladen werden.

Newsserver

Es gibt immer noch einige kostenlose News-Server, die Zugang zu einer eingeschränkten Auswahl an Newsgroups der klassischen Big Eight ermöglichen. Die aktuelle Liste kostenloser News-Server des deutschsprachigen Raums finden Sie im Cord-Projekt.

 

Alle übrigen News-Server sind kostenpflichtig. Das Angebot reicht vom News-Server der Freien Universität Berlin für einen geringen jährlichen Obolus bis zu den kommerziellen Usenetprovidern, die praktisch sämtliche Newsgroups, insbesondere in der alt.binaries Hierarchie führen.

 

Das Angebot kommerzieller Usenet Provider richtet sich sowohl an Power-User mit einer nicht limitierten, echten Flatrate, als auch an gelegentliche Nutzer des Usenet mit einem im Voraus gekauften Volumen, das in einem bestimmten Zeitraum, meist mindestens fünf Jahre, verbraucht werden kann.

 

Der holländische Usenet Provider Eweka bietet preiswerte, echte Flatrates für einen im Voraus bezahlten Zeitraum, das ist insbesondere dann eine Alternative, wenn man sich nicht durch einen Vertrag binden möchte.

 

Andere Usenet Provider wiederum bieten einen Volumentarif, wobei das nicht verbrauchte Volumen entweder am Monatsende verfällt oder dem nächsten Monat gutgeschrieben wird.

 

Der im deutschen Sprachraum vermutlich bekannteste Usenet Provider, Usenext, bietet eine Mischform aus einem schnellen Volumentarif, dessen nicht verbrauchtes Volumen am Monatsende verfällt und einer langsamen Flatrate, mit der auch dann noch Downloads aus dem Usenet möglich sind, wenn das Volumen für den betreffenden Monat bereits verbraucht wurde.

 

Nicht jeder Usenet Provider ist seriös. Besonders, als das Usenet in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts wieder an Attraktivität gewann, tummelten sich auf dem Markt sehr viele unseriöse Usenet Anbieter. Das war übrigens der hauptsächliche Grund für das Entstehen des Usenet Guide.

 

Der Usenet Guide hat wesentlich dazu beigetragen, dass unseriöse Usenet Anbieter vom Markt verschwanden und aus einigen, damals zu recht als Abofallen verrufenen Usenet Anbieter inzwischen kundenfreundliche, seriöse Unternehmen wurden.

 

Eine Liste sorgfältig getesteter, seriöser Usenet Provider gibt es im Usenet Providervergleich.

Google Groups

Google hat den gesamten Datenbestand des Usenet seit 1995 gekauft und stellt ihn per Google Groups zur Verfügung. Selbstverständlich ohne Binaries. Durch Zukauf weiterer Datenbestände sind auch Postings aus den Jahren vor 1995 verfügbar. Bitte benutzen Sie nur im Ausnahmefall die Antwort Funktion von Google Groups und lesen Sie auf jeden Fall die Hinweise für Google Poster, bevor Sie auf ein Posting antworten.

 

Leute, die nicht ins Usenet gehen, um sich dort aktuell über den Stand in einer Newsgroup zu informieren, sondern per Reply Funktion über die Google Webseite Nachrichten ins Usenet posten, sind inzwischen ebenso unbeliebt wie Spammer und werden auch genau so behandelt. Man kann Postings per Google Groups ganz generell in die Killfile Liste verbannen.

 

The Usenet improvement Project widmet sich unter anderem diesem Thema mit Anleitungen in englischer Sprache.

Gibt es Alternativen zum Usenet?

Sicher gibt es Alternativen zum Usenet, je nachdem, was man eigentlich möchte.

 

Es gibt jedoch außer dem Usenet kein dezentrales Netzwerk, über das beliebig große Binärdateien verteilt werden können, und das den Usern bei Downloads absolute Anonymität ermöglicht.

 

Alle anderen Möglichkeiten, Binärdateien zu verteilen, sind entweder nicht anonym, weil die IPs der Teilnehmer problemlos herausgefunden werden können oder sie sind auf einen zentralen Server angewiesen, der natürlich auch vom Netz genommen werden kann. Wobei man bei einem zentralen Server ohnehin nie weiß, ob und gegebenenfalls was protokolliert wird.

 

Eigentlich gibt es auch zum Text Usenet keine Alternative, obwohl die Webforen dem Usenet längst den Rang abgelaufen haben. Denn Webforen müssen zwingend, wegen der Haftung des Betreibers für Beiträge der User, moderiert werden. Ginge es dabei nur um die Entfernung von Rechtsverletzungen, wäre das auch völlig in Ordnung. Doch ebenso werden kritische Beiträge und Beiträge, bei denen sich ein Moderator nicht ganz sicher ist, ob sie möglicherweise rechtsverletzend sein könnten, entfernt. Das ist prinzipiell auch verständlich, schließlich möchte man als Betreiber eines Forums keine Prozesse riskieren und kann auch nicht wegen jedem zweifelhaften Beitrag einen Juristen zurate ziehen. Das macht den Umgang mit Foren bei kritischen Themen jedoch auch schwierig.

 

Eigentlich könnten sich Web und Usenet gut ergänzen. Gelegentlich wird von alten Recken im Usenet belächelt, dass es zum Usenet Guide auch noch ein Usenet Forum gibt, schließlich ist das Usenet das Forum schlechthin. Doch gerade für Leute, die sich im Usenet noch nicht gut auskennen ist ein Webforum sehr viel komfortabler zu handhaben.

 

Eine echte Alternative zum Usenet gibt es nicht. Und das, obwohl das Protokoll des Usenet inzwischen schon aus der Steinzeit des Internets stammt und schon alleine deshalb immer wieder totgesagt wurde.

 

Selbst große Usenet Provider forschen nach Alternativen zum Usenet, haben jedoch noch keine echte Alternative entwickeln können. Denn einer der großen Vorteile des Usenet ist seine gewollte Dezentralität, die das Netzwerk an sich unangreifbar macht.

 

Zum Schluss noch einige interessante Links:

 

Die Schwesterseite Usenet Support beschäftigt sich nicht mit dem Umgang mit dem Usenet sondern vielmehr mit der juristischen Seite und ausführlichen Hintergrundinformationen.

 

Einfache Schnellanleitungen gibt es auf Usenet easy.

 

Network News Transfer Protocol (NNTP)

Dort steht alles drin, was das Usenet kann und macht (in Englisch).

 

Ebenso fundiert wie der Usenet Guide ist der digitale Fotokurs, der für Anfänger und ambitionierte Fotografen viele gute Tipps und Anleitungen enthält.